Haben Sie schon einmal jemanden getroffen und waren so verliebt und voller Ehrfurcht vor dieser Person, dass es fast wehtat? Philip kannte dieses Gefühl. Er brauchte nur in ihre großen grünen Augen zu sehen, und er schwor, dass sein Herz buchstäblich vor Liebe explodieren würde. Jede Bewegung, jedes Geräusch, das sie machte, raubte ihm den Atem. Jeder wache und schlafende Gedanke galt Simone. Er hatte großes Glück, so einen besonderen Menschen gefunden zu haben.
Das war eine Ewigkeit her, und er empfand immer noch dasselbe. Heute saß Philip allein auf der Veranda ihres Hauses, blickte auf den Ozean vor sich und erinnerte sich an ihr gemeinsames Leben. Er erinnerte sich an ihre kleinen Eigenheiten, wie zum Beispiel, wenn er sich zu ihr lehnte, um sie zu küssen, sie sich ebenfalls nach vorne beugte, aber im letzten Moment ihre Zunge herausstreckte und damit seine Nasenspitze leckte und lachte. Er erinnerte sich, wie er ihr einmal ein Dutzend Rote Rosen kaufte, einfach nur, weil er sie liebte. Sie liebte Rosen. Sie hatte sie in beide Hände genommen und zu ihrer Nase gehoben und tief eingeatmet, um ihren starken Duft zu genießen. Sie verehrte sie. Philip brachte ihr Rosen zum Geburtstag, zu ihrem Jahrestag, zu Weihnachten und natürlich zum Valentinstag. Der Valentinstag war der Tag, an dem sie sich vor all den Jahren zum ersten Mal an diesem Strand getroffen hatten.
Philip erinnerte sich, dass er das alte Zündapp-Motorrad, das er liebevoll restauriert hatte, testfuhr. Der Strand war ziemlich verlassen und wurde selten von Touristen benutzt. Simone saß auf einem Felsen am Wasserrand, die Füße im Wasser, auf ihrem Schoß eine streunende Katze, die friedlich schlief. Sie hielt eine einzelne Rose an ihre Nase. Es waren solche Szenen, die Philip wünschten ließen, er hätte Talent und könnte malen. Was für ein Bild das gewesen wäre. Philip konnte nicht widerstehen, also näherte er sich ihr.
„Geschenk von einem heimlichen Verehrer?“, fragte er.
Simone kicherte und mit ihren großen grünen Augen, die sich in seine bohrten, antwortete sie.
„Nein, es ist ein Geschenk von mir an mich, es ist Valentinstag.“
Sie unterhielten sich eine Weile, aber jetzt war es Zeit für Simone zu gehen.
„Ich würde dich gerne wiedersehen.“ Philip fragte halb und stellte halb fest.
„Ich fahre morgen nach Hause, aber ich komme nächsten Valentinstag wieder.“
„Abgemacht!“, sagte Philip, enttäuscht, aber gleichzeitig glücklich.
„Aber warum Valentinstag?“, fragte Philip, als seine Neugierde ihn übermannte.
„Es ist der Gedenktag meines Großvaters. Sein Name war Valentino, und seltsamerweise starb er am Valentinstag, also komme ich und erinnere mich an ihn an seinem Grab.“
„Oh, mein Beileid.“, sagte Philip, nicht wissend, was er sonst sagen sollte.
„Oh, es ist in Ordnung, er war sehr alt.“
Simone glitt sanft vom Felsen. Er wollte nicht, dass sie ging.
„Dann bis nächstes Jahr“, sagte sie und schenkte Philip ein Lächeln, das er bis heute nicht vergessen hat.
„Äh, äh, ja, okay, ich werde hier sein.“
Er sah zu, wie Simone den Strand hinaufging und in der Ferne verschwand.
Das Jahr verging für Philip sehr langsam, aber schließlich war es vorbei. Philip war außer sich vor Aufregung, er hatte einen Strauß Roter Rosen für Simone gekauft. Er konnte es kaum erwarten, sie zu sehen. Er stieg auf seine Zündapp und fuhr langsam zum Felsen, und ja, da saß sie mit den Füßen im Wasser. Philip konnte nicht schnell genug dort sein.
„Hi!“, sagte er aufgeregt, als er vom Motorrad stieg und es in den Sand fallen ließ. Er streckte den Rosenstrauß aus und reichte ihn Simone.
„Frohen Valentinstag!“, sagte er und grinste von Ohr zu Ohr.
„Oh, die sind wunderschön, vielen Dank. Ich habe auch etwas für dich, ich dachte, es würde toll auf dein Motorrad passen.“
Simone lehnte sich zurück, zog eine längliche Schachtel hinter sich hervor und reichte sie Philip.
„Was ist das?“
„Mach es auf und sieh selbst.“
Er öffnete die Schachtel hastig, und darin befand sich ein Nummernschild. Kein gewöhnliches Nummernschild, sondern ein spezielles. Darauf stand „FEB 14“.
„Wow, das muss ein Vermögen gekostet haben!“, sagte Philip, als er das Schild bewunderte.
„Nicht wirklich. Ursprünglich war es ‚FE – 814‘, aber ich habe die ‚8‘ näher an das ‚E‘ gerückt, sodass es jetzt auf den ersten Blick wie ‚FEB 14‘ aussieht.“
Philip stand einen Moment schweigend da, dann platzte es aus ihm heraus.
„Willst du mich heiraten?“ Er hatte keine Ahnung, woher das kam, er wusste nur, dass er ohne sie nicht leben konnte.
Wieder Stille.....
„Ich dachte, du würdest nie fragen!“, schrie sie lachend.
Sie heirateten innerhalb einer Woche.
Das war lange her. Philip war dankbar, dass sie zusammen alt geworden waren, aber er wünschte, er wäre zuerst gegangen. Simone war vor 5 Jahren gestorben, und er vermisste sie immer noch schrecklich. Seit 5 Jahren kaufte Philip jeden Valentinstag ein Dutzend rote Rosen und brachte sie zu dem Felsen, wo sie sich kennengelernt hatten. Er legte sie an den Fuß des Felsens und sprach mit Simone, als säße sie immer noch darauf. Die Tatsache, dass immer eine streunende Katze da war, ließ ihn sich weniger albern fühlen, wenn er mit einem leeren Raum sprach. Während er mit Simone sprach, streichelte er die Katze, die sich immer auf die Rosen legte. Die Katze roch sie zuerst einzeln und setzte sich dann einfach darauf. Sie war jedes Jahr da gewesen. Philip hob die Katze auf und sah ihr in die Augen. Sie waren riesig und grün, genau wie die von Simone. Er drückte die Katze näher an seine Brust. Die Katze hob den Kopf und sah Philip an. Dann tat sie etwas sehr Seltsames: Sie streckte die Zunge heraus und leckte Philip auf die Nasenspitze ...
Geschichte von Chris Christodoulou
Diese Woche begrüßen wir einen neuen Gastautor in unserem Blog mit fiktiven Kurzgeschichten, die von Theos Gemälden inspiriert sind. Wir sind sehr dankbar für diesen Beitrag. Vielen Dank, Chris.
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